Freitag, 23. Januar 2015

Ja, sie hat das Recht zu leben .....

Ich verlinke Euch den Blog von Jolinas Mama.




Ich kenne mittlerweile einige Familien mit DS-Kindern die schon älter sind. Keine dieser Familien würde ihr Kind nicht haben wollen. Nein, ich sage nicht, dass der Weg ein einfacher war. Aber das lag sehr oft nicht am Kind und der Behinderung. Bei älteren Menschen mit DS fällt es weg, dass sie nur als "süss" gesehen werden. Von drei Famiien darf ich Euch hier bestätigen, dass sie sehr unglücklich über die Entwicklung mit all den Diagnostiken in der Schwangerschaft sind ....auch diese Eltern haben Angst, dass es bald keine Menschen mehr gibt die das Down-Syndrom haben. Aussortiert, zum sterben verurteilt schon vor der Geburt!

Vieles muss anders, besser werden .... Viele der Schwierigkeiten die wir haben liegen nicht an unseren behinderten Kindern, sondern an unserer Gesellschaft, an den Mitmenschen .... usw.
Es gibt viel zu tun!

Es wäre entsetzlich wenn Jolina "Eine der letzten ihrer Art"  wäre .....



Montag, 12. Januar 2015

Unsere Kinder und der Terror

Die Gedanken schlagen Purzelbäume.
Seit ewigen Zeiten Schreckensmeldungen in den Nachrichten.



Es gab noch nie Frieden auf der ganzen Welt. Immer irgendwo Krieg, Terror, Schrecken, menschenverachtendes Tun.

Ein unmenschlicher Anschlag in Frankreich.
Was ist anders, was ist passiert, dass nun die Menschen in Europa "austehen, aufschreien, sich zeigen, Stellung nehmen?"

Warum nie so eine Reaktion wenn Menschen vor unseren europäischen Küsten ertrinken. Menschen in Not. Menschen die ein bessereres, sichereres Leben suchten, ihre Heimat verlassen haben,  unter für uns unvorstellbaren Bedingungen.

Warum nie solch ein Aufschrei wenn in Afrika gefoltert, ermordet, verhungert wird ....

Warum kaum Reaktionen wenn Ausländern in unserem Land böses wiederfährt.

Es gibt so vieles was ich hier aufschreiben könnte.

Ich kann das in meinem Kopf nicht ordnen was nun passiert. Es kommt mir so vor, als ob wir uns in Europa doch sicher fühlten und erst nun, da in unserer Mitte der Terror schreckliches tat so richtig aufgewacht sind.
Warum?
Weil es so nah ist?
Wir baden doch auch in unseren Meeren und haben Spass, Urlaub mit Oma und Kind.
Die Schiffe mit den Flüchtlingen sind auch da nah ...

Wenn ich durch unsere Städte gehe treffe ich ständig Menschen aus Afrika. Nahmen wir bisher an sie machen alle freiwillig Urlaub in Europa?

Ich könnte hier nun stundenlang weiterschreiben und finde doch die Worte nicht, das zu erklären was in mir vorgeht.

Mein erstes "ausländisches" Tageskind kam vor 18 Jahren zu mir. Damals wie heute kamen Reaktionen von den Müttern der anderen Kinder. Versteckt irgendwie 2 Mal auch ziemlich offen.
Ich betreute die Kleine schon über ein Jahr. Montag morgen ein Anruf: "Sie kommt nicht mehr, weisst Du, dieses Kind aus Russland kann ja nichts dafür ... aber warum sind die denn hier, der Vater schaut mich auch immer so komisch an!"
Ich konnte es nicht schaffen ein Gespräch mit allen zu führen. Auch die Dame vom Ju.-Amt nicht ... "Nein, wir wollen nicht dass unsere Kleine mit dem Mädchen zusammen betreut wird"
Das ist nun 7 Jahre her.

Ein Mädchen aus Afrika, die Mama in höchster Not. Sprach kein Wort unserer Sprache. Wir erfuhren nie näheres von ihrer Flucht.
Das Mädchen wurde sehr schnell ein Schatz in meiner kl.Kindergruppe. Fünf weitere Kinder hatte ich damals betreut. Die Kleine war mit fünf Monaten die Jüngste. Drei Wochen später:
"Sag mal, die Wäsche von meinem Sohn riecht nun immer sooooo .....!"
"Er mag sie nicht, ich weiss,dass er Angst hat weil sie so schwarz ist!"
Ja, mitten unter uns kamen solche Sätze. Auch der Junge wurde von mir als Tagesmama weggenommen.
Die kl.schwarze Lady blieb 2 Jahre, lernte zur Muttersprache afrikanisch und französisch ... nein, nicht Deutsch, sondern eher bayrisch!
Dei Mutter und auch die Oma konnten sehr schnell unsere Sprache. Mit der Oma hab ich viel gesprochen, Geschichten erfahren die für mich unvorstellbar waren. Sie hat 4 ihrer Kinder im Krieg in Afrika verloren!
Nur eine Tochter blieb ihr und die Enkelin.

Ja, ich betreute auch schon ein Kind aus dem Iran, einen Jungen aus Indien ....
Nie haben die Eltern mir irgendwas getan. Nie gab es Situationen die ich beängstigend fand.
Ständig kamen von aussen solche Unterstellungen ....

(Ich habe die Namen der Kinder verändert, in Wirklichkeit haben alle wunderschöne, fremd klingende Namen)

Nein, ich möchte nun nicht stundenlang hier weiterschreiben.
Ich erzähle Euch wie Robert das alles empfindet.
Ein autistisches Kind das auf der Heimfahrt von der Einrichtung die Nachrichten und viele Gespräsche mitbekam:

"Also wenn die Terroristen zu uns kommen und meine Freundin (aus Syrien) angreifen, dann lernen sie mich kennen. Ich werde sie verteidigen und wie!
Und wenn die Mama von Sepperl (aus einem Land in dem der pure Terror herrscht) ihren Sohn abholt und Hilfe braucht, dann nehm ich ab morgen die Jacky mit!) Der arme Sepperl ist ja im Rollstuhl, wie soll den seine Mama schnell mit ihm flüchten?!
Mama, aber bitte zeig nicht die Bilder von der Zeitung aus Frankreich in unseren Blog, weil nicht dass wir sie sonst herlocken die Terroristen!)

Robert wächst schon immer kunterbunt auf. In seiner Tagesstätte sind Kinder aus vielen Nationen.
Er kann kaum lesen und schreiben.
Er hat nur durchs hören die Gefahr gespürt. Er verteidigt sofort.
Er spielt aber auch schon lange in der Badewanne "Ich rette Bootsflüchtlinge"
Er weiss, dass in dem Jahr als er geboren wurde in Amerika die Türme fielen ....

Wir haben lang über die Karikaturen gesprochen mit ihm. Er weiss und spürt es ... und er hat wohl wirklich Angst. Aber auch MUT
"Gut, dass ich nicht so gut zeichnen kann, sonst tät ich auch was malen wo gleich böse Kämpfer kommen!
Aber auch wenn Leute so Bilder zeichen darf keiner die einfach erschiessen!
Ich werde sofort die Jacky (unsere alte, treue, faule Hündin!) trainieren, sie muss die Menschen beschützen!"

Welt .... jeder Einzelne muss eine Klitzekleinigkeit tun damit Du endlich den Frieden kennenlernst!