Sonntag, 28. August 2011

Kein Bild heute...Gedanken, Gedanken...

Diesen Artikel habe ich heute gelesen. Und dann auch noch die vielen Kommentare dazu.
Wo führt das noch hin? Wer nimmt sich noch alles raus, über Menschen, Familien zu urteilen, sich einzumischen, es besser zu wissen, aufzudrängen, sich als Retter darzustellen?
Ich schaff es gar nicht mehr das wieder aus dem Kopf zu kriegen. Ständig fallen mir neue Gedanken dazu ein....hauptsächlich die Kommentare geistern mir durch den Kopf. Es sind so viele verschiedene Gedanken, und wenn ich grad hier auf diesem Blog lese, so vieles verschiedenes auch von Euch....dann frag ich mich immer wieder. Wissen Die denn über was sie da sprechen?
Nach was streben sie? Alles perfekt am Menschen? Ab wann hört "perfekt" auf, wie wird dann mit Menschen, die erst noch perfekt waren umgegangen, wenn sie z.B. nicht das Down-Syndrom haben, aber durch einen Unfall, eine Krankheit "anders" werden....?
Immerwieder werde ich gefragt, ob Robert Autismus hat, weil ich "so alt" war als ich mit ihm schwanger war. Wird das auch noch irgendwann nachgewiesen, dass Mütter ab, sagen wir mal einfach 38 Jahren vermehrt Kinder mit Autismus zur Welt bringen....nach der heutigen Forschung ist das eher unwahrscheinlich, dass es zu solchen Ergebnissen kommt, werden schon Gelder für Forschungen in diese Richtung bereitgestellt....?
Er lässt mich heute verzweifeln, was da abläuft.
Es ist jeder Mutter und dem Papa zu überlassen, wie sie sich entscheiden, was sie untersuchen lassen, was sie dann als Konzequenz tun....
Doch mittlerweile entsteht ein Druck der nicht mehr normal ist, es ist nicht gut was da abläuft.
Es stimmt auch eher selten, dass Eltern von behinderten Kindern todunglücklich und aller Lebensfreude beraubt sind.
Ich würde es mir wünschen hier nun eine Antwort von Eltern zu bekommen, die wirklich sagen, dass sie eine Abtreibung gewählt hätten, wenn sie gewusst hätten, das sie ein behindertes Kind bekommen.
Nein, ich wünsche mir das nicht aus Neugierde, aus "jetzt werd ich Euch aber auf die andere Linie bringen"-Gründen.  Ich kenne nur tatsächlich kein Elternpaar, das jemals so etwas zu mir gesagt hat. Auch nicht auf den Blogs....so was sagen immer die Anderen. Diejenigen, die meinen für uns Eltern von besonderen Kindern sprechen zu müssen. Und Euch unterstelle ich nun tatsächlich und auch ganz laut, dass Ihr nicht wisst von was Ihr da sprecht...
Die meisten Behinderungen entstehen bei der Geburt und dann danach. Viruserkrankungen, Unfälle....etc.
Was sagt Ihr dazu?  Davor könnt Ihr Euch und Eure Kinder doch auch nicht schützen....
Und dann? Nach welchen Lösungen schreit Ihr dann? Was wollt Ihr, dass dann getan wird?
Ich könnte nun noch viele, lange Sätze dazu weiterschreiben. Doch schon Stunden beschäftige ich mich mit diesem Thema....ich muss nun damit aufhören. Weil nämlich dieses hier lebende Kind mit Epilepsie und frühkindlichem Autismus....heute so viel Wäsche fabriziert hat, dass ich noch schnell in den Keller gehen muss....
Und dann möchte ich noch planen was wir morgen tun werden. Dieses Kind hat noch immer Ferien. Es ist schön ihn zu Hause zu haben. Aber ihm ist so schnell langweilig....
Und dann möchte ich noch ein Gläschen Wein trinken mit dem Papa dieses Kindes...und ganz was anderes sprechen, tun.....
Denn....die Welt dreht sich auch nicht nur um behinderte Kinder. 
Stellt Euch das mal vor, wir tun auch ganz normale Dinge als Mama und Papa....

Bitte schreibt hier etwas dazu....oder geht das nur mir so nahe?

Donnerstag, 25. August 2011

Eine alte Dame

52 Jahre ist die Anneliese nun. Wer schon länger mitliest weiss, wie seltsam es ist, dass meine erste und einzigste Lieblingspuppe ausgerechnet "Anneliese" heisst.
heute darf sie hier erscheinen. Weil sie heute ihren 52. Geburtstag feiert.
Ich freu mich, dass sie noch immer bei mir ist.
Auch wenn ich selber ohne Behinderung durch das Leben gehen darf, ist mir von klein auf bewusst wie schwer es ist mit Behinderungen zu leben. Heute Nacht, nach einem heftigen Gewitter hab ich auf der Terrasse gesessen und an viele Menschen gedacht, die nicht mehr da sind. Die mit mir als Kind Geburtstag gefeiert haben. Eine meiner kleinen Freundinnen ist mit nur 5 Jahren wohl bei einem epileptischen Anfall gestorben. 48 Jahre ist das her.
Eine Schulkameradin bekam mit 7 Jahren einen Gehirntumor, der leider nicht geheilt werden konnte. Sie durfte nicht mal ihren 8.Geburtstag erleben.
Ein kleiner Freund wurde das Opfer von Contergan. Doch Peter fühlt sich gar nicht als  Opfer.Er geht bis zum heutigen Tag fröhlich und erfolgreich durch sein Leben.  Ich kannte ihn von klein auf nur ohne Arme. Für mich war er immer "normal".  Ich hab ihn nach vielen Jahren vor zwei Wochen am Grab meiner Mama getroffen. Keine Sekunde war er für mich "anders". Und was sagt der Frechdachs zu mir?: "Du warst auch schon mal dünner!" Ich weiss, dass er einen härteren Kampf um alles (Führerschein, Beruf, etc.) Tag für Tag zu führen hat. Doch er hat eine wunderbare Ehefrau, gesunde Kinder. Er ist glücklich! Und das schon seid über 50 Jahren.
Leider ist nun mit 45 Jahren der Sohn von Freunden meiner Tante gestorben. Er hatte das Down-Syndrom. Ein netter Mann, der schon als Kind immer lachend mit uns mitspielte. Meine Ur-Tante war sein Kindermädchen. Seine Eltern kamen damals nicht mit der Behinderung klar. Sie haben meine Tante als "Kinderfrau" eingestellt und von da ab war sie seine "Nanna"....sie starb in seinem Zimmer mit 78 Jahren, nur er war dabei. Sie haben grad zusammen die Wände für ein jüdisches Fest geschmückt.
Als ich als erste unserer Familie dort hinkam war ich sehr erschrocken. Denn die Tante lag am Boden, die Füsse Richtung Tür. Von den Eltern keine Spur. Über 20 Jahre ist das nun her. Der junge Mann sass daneben am Boden und ich weiss bis heute nicht, ob er da schon "wusste" dass sie nicht mehr lebt. Das etwas ganz, ganz anders ist hat er wohl gespürt. Er konnte nicht sprechen, doch der Gesichtsausdruck war so entsetzt. Leider haben seine Eltern ihn in eine Einrichtung gegeben. Keine Liebe für das eigene Kind....
Mit meiner Puppe hat auch eine Schulfreundin gespielt, die selber keine Puppe hatte. Ein Zigeunermädchen, dass im Wohnwagen am Rande der Stadt wohnte. Das gab es damals noch. Ich war so gerne dort, doch nur heimlich, denn "mit den Kindern spielt man nicht"....doch das hat Mama dann bald nicht mehr gesagt, denn sie hatte keine Chance gegen die Älteste....ich hab mit den Kinder gespielt, und eine meiner vielen Puppen an Anna verschenkt.. Meine Mama hat dann sogar die Kindersachen unserer Zwillinge dort hingegeben. Und mit Annas Mutter zu reden angefangen. Ich bin heute noch glücklich, dass sich meine Mama eine eigene Meinung gebildet hat. Anna hatte einen kleinen Bruder der nie laufen und sprechen lernte. Eines Tages waren sie weg. Die Anna mit der riesigen Familie mit all den bunten Wohnwagen. Beim letzten Klassentreffen haben wir versucht sie zu finden. Es ist uns nicht gelungen. Und was haben wir festgestellt? nach 45 Jahren denken noch viele von uns an sie, an die dünne, lustige Klassenkameradin von damals...und nicht wenige haben mit "solchen Kindern gespielt"
Damit ich mich nun nicht in den Erinnerungen verliere, mach ich jetzt Schluss hier für heute.
Meine letzten Gedanken heute Nacht waren das Gefühl, dass "früher" die Kinder mit Behinderungen mehr mitten unter uns waren. Sie waren halt so, sie wurden überall mit hingeschleppt, wir haben sie so genommen wie sie waren. Neben mir sass lang ein Mädchen in der Schulbank, sie hatte spastische Lähmungen. Unsere Klasse hat sie immer aufgefangen und auf dem Schulhof verteidigt wenn andere sich stark fühlten und sie ärgerten....
Irgendwie ist es so anders geworden.....