Samstag, 2. Juli 2011

.... es geht weiter

...gestern ging es mir "zu nah" auch wenn ich mittendrin bin und war. Aber manchmal "erdrückt" auch mich das Mit-fühlen in die Schicksale der Kinder, der Familien
Das Mädchen, dass durch den Gehirntumor so aus allem rausgerissen wurde hat einen älteren Bruder. Mittlerweile sind beide über 20 Jahre alt ... und noch immer behandelt er sie ganz normal, redet mit ihr, als ob sie es verstehen kann (sie ist taub und blind geworden) ...spielt ihr Musik vor. Die Mama verzweifelt, sie denkt er kann und mag das Schicksal nicht akzeptieren, macht die Augen zu fest zu ....
...ich lass das nun so stehen, wir haben mit den Eltern viele Stunden gesprochen. Sie lieben beide Kinder und haben das eigene Leben aufgehört, als die Op wegen des Tumors schief ging ... über 20 Jahre schon!
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...ein Kuscheltier gehörte einem 18jährigen jungen Mann. Eine seltene Genveränderung lässt ihn nicht wachsen, nicht sprechen .... der 14jährige Bruder tut sich schwer mit all dem. Und findet es nicht cool, dass der grosse Bruder ständig das Kuscheltier mit rumträgt! Doch die Mama der beiden Buben ist so was von mitten im Leben. Sie ist erst 37 Jahre und trägt die ganze Familie. Sie lacht...es ist ansteckend. Sie ist offen und voller Ideen....und schleppt beide Buben mit zu einem Konzert von STS...mit Kuscheltier! Auf den Fotos sieht man eine fröhliche Familie. Auch der Teenager sieht glücklich aus.  Bewundernswert! Leider wollen sie anonym bleiben ... noch, gell Du Liebe!
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Das jüngste Mädchen war 8 Jahre alt. Auch ständig mit Kuscheltier unterwegs. Eine Form von Autismus, die so sehr in sich selber zurückziehen lässt. Nichts spricht sie ...und doch hat sie immerwieder mit Robert gespielt. Die ersten Tage viel geweint, nichts gegessen, dann aufgetaut .... es war so schön!
Der Bruder ist 10 Jahre alt und "begleitet" ständig voller Aufmerksamkeit und Liebe die Schwester. Aber wenn er dann mal allein unterwegs ist ...z.B. im Schwimmbad! Ein ganz normaler, wilder Lausbub! Sehr nett und sympathisch. Das Schicksal war nicht schön, denn am vorletzten Tag von unseren Tagen im bayerischen Wald musste die Familie überstürzt abreisen. Der Vater war nicht dabei, hatte einen schlimmen Unfall auf der Baustelle! Vier Stunden musste die Mama allein mit dem Auto fahren ... nicht wissend was sie erwartet, und mit zwei Kindern, die durcheinander waren....ich werde Euch berichten wie es dort weitergeht. Noch ist der Papa im Krankenhaus!
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Noch ein junge Dame. Deriah und die Mama aus der Türkei. Der Vater ist am zweiten Tag abgereist, er wollte nicht mit so vielen behinderten Kindern die Tage verbringen ....
Deriah ist durch einen Virus erkrankt, ist 21  Jahre und kann nicht laufen, sprechen, allein essen, sich fast nicht bewegen. Doch sie hört und bekommt alles mit. Ist sehr lustig und hat sich ganz oft über Robert gefreut und ihn nicht aus den Augen gelassen.Sie lachte sehr viel, wenn sie dann mal weint ist es traurig, denn wie findet man raus was los ist? Deriah hat auch epil.Anfälle.  Die Mama ist eine sehr weltoffene Frau, die dann aber leider nach ca. 25 Anfrufen vom Vater am vierten Tag heimgefahren ist. Sie hat den Druck des Ehemannes nicht mehr ausgehalten....ich hatte in den vier Tagen viele Gespräche über das Leben einer türkischen Frau und Mama mit ihr. Oh, was hab ich mich aufgeregt! Mitten in Deutschland ist sie "eingesperrt" hat aber so viel Wissen und ist durchs Intenet über alles informiert.... (aber das ist ja ein anderes Problem, da könnt ich ja gleich noch ein Blog aufmachen....!)
Wisst Ihr was lustig war? Die beiden essen kein Schweinefleisch. Wir sassen zusammen an einem Tisch. Robert hat sofort mitgemacht. Da die Auswahl beim Essen so riesig war, dass er immer etwas Feines zum Essen fand, war es natürlich kein Problem. Doch als die beiden abgereist sind sagte Robert
: "Entschuldige Deriah, nun MUSS ich aber unbedingt einen Schweinbraten essen!"
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.... ich erzähle Euch weiter von den anderen Kindern. Für heute muss ich das auch wieder verarbeiten. Es ist ganz schön schwer ....

Kommentare:

jonathan und seine familie hat gesagt…

Wenn ich meine Großmutter im Pflegeheim besuche, dann nehmen mich diese unterschiedlichen Schicksale emotional sehr mit.
Aber was dieses ganze Drama überstrahlt, dass ist die Kraft die in einem geschenkten Lächeln steckt.

Ich umarm Dich, Elisabeth
Barbara

dicke, alte Frau hat gesagt…

Ja, ich glaube, daß man an diesen Tagen wachsen kann, wenn man wieder neue Menschen kennenlernt, die eben auch sehr weltoffen sind und auch ihre Kinder so sehr lieben wie Ihr es tut.
Ganz liebe und solidarische Grüße, die Christiane

Niklas hat gesagt…

Jede einzelne Geschichte liest sich als "nicht einfach". Ich fühl auch gleich immer sehr mit.
Was mich immer so fasziniert, wenn man mit betroffenen Eltern spricht:
Man versteht sich sofort, man braucht nicht viel nachfragen. Man weiß, wie es gemeint ist.... So verschieden die Schicksale auch sind - man fühlt sich mit solchen Menschen gleich verbunden. Es war sicher eine sehr wertvolle Zeit für euch - auch wenn du daran "nagst"....
Und Elisabeth, ich finde es toll, dass du hier davon erzählst.
liebe Grüsse
Tanja

Mandy hat gesagt…

Hallo Elisabeth,
ich war heut auch mal wieder hier lesen und hatte mal wieder einen Klos im Hals. Es gibt so viele schwere Schicksale und ich würd manchmal wollen, dass ich einfach einen Zauberstab raushole und die Welt damit etwas ändern könnte... aber ob das die richtige Entscheidung wäre? Manchmal macht uns ja auch gerade das Schicksal zu dem was man ist... Emily hat gerade Ferien, wird eine lustige Zeit. Ich möcht sie nicht missen... Liebe Grüße aus Hamburg
Mandy