Freitag, 21. Januar 2011

das behinderte Schaf

Dienstag, 8.15 Uhr
Ich geh über die Ampel einer vielbefahrenen Strasse. Ich möchte mir eine Zeitung holen.
Auf dem Weg zum Zeitungsständer war mir so, als ob ich etwas gesehen habe, nicht richtig registriert und mich aber jetzt gedanklich damit beschäftige?
Rückweg mit den Gedanken bei der Schlagzeile in der Zeitung.
Ich drück die Ampel, geh los bei GRÜN. Steh vorm Gartentor ... da war es wieder. Steh am Strassenrand und schau:"Was liegt da mitten auf der Fahrbahn?"
Ein Auto fährt drüber, nocheins ....
Ich drück die Ampel, geh bei GRÜN heb das "etwas" auf .... und steh dann wieder am Strassenrand mit einem total verschmutzten, plattgefahrenen Schaf? in der Hand.
Mit mir sind drei ca.10jährige Buben über die Strasse gelaufen.
"Warum hebst Du das auf? Das liegt da schon tagelang. Was willst Du mit so einem BEHINDERTEN Teil?"
Ich kann nicht beschreiben was mir dann wie Blitze durch den Kopf ist.
Ich hab dieses nasse, kleine Etwas mit reingenommen, vorher die Buben noch mit einem für sie wahrscheinlich "die spinnt doch"-Blick angeschaut.
Hm, und nun war dieses Etwas in der Waschmaschine, 2 Mal. Im Trockner ... nur 1 Mal.
Und wurde dann am Ohr hinten, am Popo, am Fuss von mir zusammengenäht.
Es hat einen Schal aus der Seidenwolle von Susannes Mütze bekommen.
Und da sitzt es nun, bereit zum Fototermin!
Mein BEHINDERTES Schaf!
Darf ich vorstellen:
ROBERTINA, die Zähe! die Kuschelige, die Unkaputtbare, die Freundin von mir! Sie wird mich ab jetzt begleiten. Ich hab sie an meinem Schlüsselbund. Sie wird überall dabei sein.
Warum nur sagen Kinder das Wort "behindert" in solch einer Situation?
Ich wäre nicht Elisabeth, wenn das für mich ein Ende hätte. Ich geh nun raus, und steh an der Ampel. Mit Robertina. Und dann frag ich die Buben genau das!

Kommentare:

jonathan und seine familie hat gesagt…

Ach, Du zauberhafte Person!

Ich möcht dich umarmen und Dir danken, für ständiges Achten auf die Vielfalt, für Dein Kämpfen gegen Ignoranz!
Ich hab Sonntag mal die Semmeln "verbacken"..sahen halt "anders" aus, waren aber total ok....mit einem Lachen hab ich die verkauft, und für meine Kunden war es ein schöner, guter Morgen, mit einem Lachen serviert.

Dicken Kuss!
Barbara

Birgitt hat gesagt…

...eine ansteckende Fröhlichkeit hat deine Robertina im Gesicht, da ist es gut, wenn du sie immer bei dir hast, liebe Elisabeth.
Liebe Grüße von Birgitt

Niklas hat gesagt…

ja, birgitt hat recht! ich hab jetzt richtig schmunzeln müssen beim Anblick von Roberta.
Mich mach das auch traurig, wenn Kinder das Wort behindert in solchen Zusammenhängen verwenden. Ich glaube garnicht, dass es ihnen so bewusst ist. Uns verletzt es doch nur, weil wir so mittendrinn sind....
Und: ich find es so schön, dass du die Elisabeth bist, der sowas keine Ruhe lässt!

GiTo hat gesagt…

Ich finde es auch erschreckend, welchen „Wortschatz“ unsere heutige Jugend hat und noch erschreckender finde ich, dass Erwachsene, nur um nicht ausgegrenzt zu werden, genau jenen unüberlegt und gedankenlos übernehmen… Das fängt mit dem Wort „GEIL“ an und endet mit dem Wort „BEHINDERT,“ wie du es hier beschreibst.
Schön, dass du dieses leidige (beschämende) Thema anschneidest!
LG-GiTo