Dienstag, 24. August 2010

...eine ältere Frau erzählt uns diese Geschichte:

Ich weiss nicht mehr wie lange es her ist. Das Foto entstand nach dem Krieg. Damals hatten Kinder nicht viel. Doch der Seppi hatte einen großen Bären. Und der Bär mußte überall mit hin.
Kinder brauchen besonderen Schutz. Schon immer. Und Seppi hatte viele Ängste. Für ihn war der Bär der große Beschützer, der Freund, der Starkmacher!
Nach dem Krieg war nichts mehr bunt. Das könnt Ihr Euch heute nicht mehr vorstellen. Wir Mütter haben aus allem Spielsachen für unsere Kinder gemacht. Und wenn dann ein Kind das Glück hatte einen richtigen, echten Teddybär zu haben, dann hat sich das umgedreht. Das Kind hatte den Bären als Beschützer, und das Kind merkte gar nicht, wie es auf seinen Bären aufpassen musste. Es gab wenige Teddybären und viele Kinder, die auch einmal so ein Kuscheltier im Arm halten wollten....
Das Leben dieses Bärenbesitzers nahm ein trauriges Ende. Ich überlasse es meiner Nichte, Euch davon zu erzählen. Aber nachdem was sie mir über ihre Erlebnisse mit Euren Kindern erzählt hat, und warum sie nun so eine Aktion durchführt...da denke ich, es passt dazu.
Der Seppi wurde erwachsen, war ein fleissiger Mann. Er hat hart gearbeitet und in den früheren Jahren gab es keinen Arbeitsschutz. Er hatte mit Staub, Zement, Beton zu arbeiten. Tag für Tag. Und dann bekam er Hautkrebs. Es ging sehr schnell und es war im Gesicht.
Er wurde ausgegrenzt, es wurde mit den Fingern auf ihn gezeigt, er fing an sich zu verstecken, er verlor die Frau und die nahm das Kind gleich noch mit. Er sah sehr schlimm aus und das letzte Erlebnis hier auf Erden hat ihn beschliessen lassen, dass er nicht mehr hierhergehört. Er hat sich selbst das Leben genommen. Einsam, ausgegrenzt ohne Hoffnung auf Besserung.
Und das ist nicht nötig. Und deshalb erzähle ich Euch die Geschichte. Sie ist aus dem Leben. Und sie zeigt wohin es führt wenn man ausgrenzt, nicht hinschaut, mit den Finger auf Menschen zeigt.
Er konnte nichts für diese Behinderung. Aber in der damaligen Zeit war es noch schlimmer. Ich bin nun sehr alt. Gehe mittags in ein Seniorenheim zu Essen. Auch wir alte Menschen erleben solche Sprüche...was wir hier noch wollen...wir kostet Geld...ob wir nicht selber merken, dass unsere Zeit abgelaufen ist.
Ich wünsche Euch Jungen, dass Ihr es schafft. Ich wünsche Euch offenen Ohren. Und diese modernen Mittel sind ja interessant. Ich habe erfahren, dass diese Bilder und Worte schon über 500 Mal gelesen wurden. Unsere Dorfzeitung damals haben nicht 500 Menschen gelesen. Ich wünsche Euch Jungen, dass Euer Ziel in die Welt getragen wird.
Ich bete für Euch.

Kommentare:

jonathan und seine familie hat gesagt…

Was für eine traurige, wachrüttelnde, und doch so wunderschöne Teilnahme an unserer Sonnenschein-Armee!!

Wirklich vielen Dank dafür!
Barbara

Fadequeen hat gesagt…

Mir stehen die Tränen in den Augen. Eine Traurige Geschichte die uns die Augen öffnen sollte.
Auch ich war früher eine von denen die sich oft fragte was sollen die Alten noch hier. Nun bin ich ein paar Jahre älter geworden ( immer noch sehr jung) und habe gemerkt wie wichtig jede Generation ist, wie wichtig die Unterschiede zwischen den alten und den Jungen doch ist und wie viel wir Jungen doch lernen könnten wenn wir nur den alten mal zuhören würden. Leider sind aber auch nicht alle alten so, und es gibt ein paar schreickliche exemplare, aber die gabs immer und wird es in allen altersgruppen leider immer geben!!!

Gruessli S
andra

hier ist leben in der bude hat gesagt…

Elisabeth,
danke Deiner Tante fürs Erzählen dieser leider so tragisch endenden Geschichte.
Wieder einmal mehr: Lasst uns HINschauen und EINmischen, lasst uns AUFklären und VERbinden...

Liebe Grüsse
Susanne

Tummetott hat gesagt…

Liebe Elisabeth,
das ist sehr zu Herzen gehend, ich bin sehr berührt.
Liebe Grüße
Michaela

MylittleWorld142 hat gesagt…

Liebe Elisabeth,

über "Umwege" kam ich hierher. Und auch ich bin berührt über die Geschichte. Ja, Menschen können grausam sein. Ich habe es selbst erlebt. Wir waren mit unseren behinderten Kollegen auf einem Ausflug am Chiemsee. Alles dabei, Rollstuhlfahrer ... kleinwüchsige Menschen mit schweren Behinderungen. Wir waren mit 2 Autos unterwegs. Als wir ausstiegen, parkte direkt neben uns ein Auto ... der sah uns, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr weg. Als wenn das ansteckend wäre. Ich hatte lange vorher und lange nachher nicht so viel Spaß wie mit diesen Menschen.

Ja, wir sollten Partei ergreifen für unsere Mitmenschen!!!

Liebe Grüsse
Angelika

Ismiwurszt hat gesagt…

Wir werden das ändern. Wir werden hinsehen und hinhören. Wir werden Hände halten, über Köpfe streichen, unsere Herzen öffnen. Und wir werden in den Arm nehmen, wenn es sein darf. So, wie ich jetzt den Seppi gern in den Arm nehmen würde, den kleinen und den großen. Und die ältere Frau mit ihrer Geschichte. Und wir werden gegen die Dummheit angehen mit Warmherzigkeit, Güte, Menschlichkeit, Verständnis und Toleranz. Und so werden wir es schaffen!

Heidegeist hat gesagt…

Danke für diese doch so traurige Geschichte. Ja, Familie bedeutet heute nicht mehr Familie so wie früher. Aber für mich ist immer ein Trost, das jeder, der heute jung ist und vielleicht über uns Alten schimpft, auch irgendwann zu dieser Gruppe gehören wird. Ob er dann nochmal nachdenkt über seine frühere Einstellung den Älteren gegenüber ?? LG Inge

Hallo! Ich bin Leander. hat gesagt…

Da muss ich wirklich schlucken... danke für diese Geschichte!

Rednoserunpet hat gesagt…

ich bin über tummetott hierher gekommen. die geschichte geht mir sehr ans herz. aber das ende macht mich traurig.. ich kann nicht verstehen , wie jemand so gemein zu alten leuten sein kann. die sind nicht über und ihre zeit ist nicht abgelaufen. meine oma ist sehr wertvoll für mich und mein kind. wer sonst hat noch so viel wissen, das er weitergeben kann, so viel erfahrung aus der man lernen kann?? meine oma ist 83 und bis vor 2 jahren noch immer mit uns in den urlaub gefahren. sie geht noch immer gerne mit uns kaffetrinken, sie hat so viel zu erzählen, was immer wieder spannend ist.. sagen sie bitte der alten dame, das sie sehr willkommen ist noch lange hier zu bleiben und sie soll auf solch dumme leute gar nicht hören.. liebe grüsse